Freitag, 14. Oktober 2011

5.-7. Tag: „Safari !!!“

2.10. // 6 Uhr aufstehen! Wir (Martin & ich) starten ab dem Red Chilli (einem Hostel, das in den größeren Städten Ugandas vertreten ist und u.a. auch Trips organisiert) gemeinsam mit den Briten Rivka und John unsere Safari. (Juhu! :)) 
Ich fahre das erste Mal über Land, durch kleinere Dörfer und fühle mich sehr touristisch … Viele Häuser haben zur Straße hin eine Geschäftsfront, die wahlweise (gegen einen vermutlich lächerlichen Betrag) von Coca Cola, einem Handyanbieter oder Sadolin (Farbunternehmen - haha) quietschbunt angestrichen wurden – dahinter liegt eine kleine Landwirtschaft. 
Nach einem Zwischenstopp in Masindi zum Lunch erreichen wir den „Murchison Falls National Park“, unser erster Stopp in diesem findet sich im Regenwaldteil des Parks zum Schimpansentracking. Mit langer Hose in den Socken (bissige Ameisen) und Führer stapfen wir durch die dichte Vegetation und folgen Spuren, die nur unser guide sieht – erfolgreich. Nach 40 Minuten erspähen wir den ersten Schimpansen, der gemütlich in einer Astgabel sitzt – es folgt so ziemlich seine ganze Familie, wir kommen den Affen teilweise sehr nah. Die Bilder geben vielleicht einen Eindruck … vollständig wird er nie sein, bis ihr selbst dort steht. Wow.



Nach circa drei Stunden setzen wir unseren Weg zum „Red Chilli“ im Park fort – Martin und ich teilen uns ein großes Zelt mit zwei Feldbetten. Von der Bar des Camps aus kann man weit über den Park schauen – erst den waldigen Part, dann der Nil, der hindurchfließt, bis hin zur Steppe. Ich kann mich an dem Ausblick kaum sattsehen, bis die Dunkelheit einbricht – die optimale Location für ein Glas Wein. :)

Das Camp - in einem der Zelte haben wir geschlafen

Warzenschweine chillen im Camp :)
3.10. // 
Sonnenaufgang über dem Park - Ausblick von der
Camp-Bar
Nach schlafen im Zelt inklusive Warzenschweingrunzen vor der Tür und duschen inklusive Käfern brechen wir am Morgen um 6.30 Uhr zu unserem „game drive“ (Tiere gucken) auf. Zu diesem Zweck setzen wir mit der Fähre über den Nil zum „steppigeren“ Part des Parks über.

Eine kleine Nilfähre mit vielen Jeeps
Was nun folgt lässt mich daran zweifeln, ob ich jemals wieder in einen Zoo möchte …  Wir haben nicht nur grundsätzlich Glück, sondern auch ein sehr netten Guide, der Job und Ehre riskiert und mit uns „off track“ fährt, weil er hinter einem Gestrüpp eine Löwenfamilie vermutet (was sich natürlich in seinem „tip“ niederschlägt ;)). Nicht nur das Wildleben ist unglaublich, auch die Landschaft ist einfach atemberaubend (wir halten unter anderem am „Lake Edward“, der zwischen Uganda und dem Kongo liegt) … Ich kann es nicht in Worte fassen, daher müssen diesmal wirklich Bilder her …










 Beim Mittag zurück im Camp lernen wir die anderen Leuten kennen, die in einem 2. Jeep von Kampala aus mit uns gestartet sind: Beth aus Great Britain, June aus Thailand, Margrit aus Deutschland, Fergul und Dermud aus Irland und einen sehr typischen Italiener (Luca) mit sehr untypischem Freund (Lorenzo – untypisch, da sehr hell und von oben bis unten tatöwiert und gepierct).
Leute im Camp
Mit allen zusammen brechen wir am frühen Nachmittag zu unserer Nilfahrt, hinauf zu den Murchison Falls auf … sehr warm, sehr entspannt, Tiere und Natur ziehen vorbei. (Treffendes Zitat: „Da versteht man auch endlich mal, warum die Nilpferde heißen.“) 

Auf dem Boot

Farbenfrohe Vögel am Ufer
Die Leute unserer Jeep-Gruppe und ein britisches Ehepaar, das wir schon am Vorabend kennen gelernt haben, werden in einiger Entfernung zu den Wasserfällen am Flussrand „ausgesetzt“, weil wir zu dem Punkt laufen wollen, wo der Murchison Fall in die Tiefe stürzt. Die Tour dauert eine reichliche Stunde und geht wandernder und kletternder Weise bergauf über Stein, Matsch und Wurzel. („We really need to work out more!“) Nachdem wir 15 Minuten unterwegs sind überrascht uns ein typischer, tropischer Regenfall und wir sind bis auf die Haut durchnässt (wie auf den Fotos von mir zu sehen) – belohnt werden wir aber mit unglaublichen Ausblicken auf den Murchison – und den Freedom Fall. Wir sind so beeindruckt von der Naturgewalt, dass es uns egal ist, dass wir nochmal total nass werden, als wir unser Ziel erreicht haben und so nah sind, dass das Sprühwasser des Murchison Fall uns erreicht. Unser Guide erzählt nebenbei unterhaltsame Schauergeschichten, z.B., dass die jungen Männer des ansässigen Stammes, wollten sie heiraten, zunächst ihre Stärke beweisen mussten, indem sie über die 7 Meter in die Tiefe stürzendes Wasser sprangen oder, dass sich hier vor zwei Jahren ein Amerikaner in den Abgrund gestürzt hat und seine Leiche nie gefunden wurde (Lagerfeuer-reif!). 
Murchison Fall - von unserem Startpunkt aus gesehen

Freedom Fall - ich - Murchison Fall ;)

Am Ziel angekommen ...
Am Abend sitzen wir wieder in der kompletten Gruppe zusammen und diskutieren verschiedenste Themen bis das Licht um 12 Uhr abgeschaltet wird. Irgendwie bekomme ich richtig Lust auf backpacking. :) Wer ist dabei?

PS: Unterhaltsamster Running Gag des Tages … Die Italiener sind erst seit ein paar Tagen in Kampala. Am 1. Abend gehen sie in Kabalagala (Party-/Rotlichtviertel) aus … Mit dem Ergebnis, dass Luca von einer Prostituierten sein Geldbeutel gestohlen wird, während sie ihn anspricht, er daraufhin zur Polizei will, diese Lorenzo ausnimmt, weil er keinen Pass dabei hat und sie, als sie später nach Hause laufen wollen (blöde Idee) von einer Straßengang so ziemlich aller anderer Habseligkeiten beraubt werden. Beware of prostitutes. Don’t trust the police. Walking is dangerous. ;)

4.10. // Am letzten Tag dürfen wir relativ lange schlafen und machen uns dann auf den Weg zurück Richtung Kampala, allerdings nicht ohne einen Abstecher ins „Rhino sanctuary“ – einem abgetrennten Gebiet, in dem versucht wird, die in Uganda ausgerotteten Nashörner neu zu etablieren. Das „tracking“ ist diesmal sehr kurz und führt uns 100 m nachdem wir aus dem Jeep ausgestiegen sind zu einer Herde friedlich grasender Nashörner (die hier alle Namen haben – z.B. das Baby-Nashorn Obama, das so heißt, weil sein Vater aus Kenia kommt und seine Mutter aus den USA (weiterer random fact: gespendet von Disney)). Mir war vorher nie bewusst, wie urzeitlich diese Tiere tatsächlich aussehen … 



Nach einem Mittagessen in der Basis des sanctuaries (gut gewürztes Chilli – bemerkenswert, Würzen ist hier sonst eher ein Fremdwort) geht es zurück nach Kampala – mit so vielen Eindrücken in so kurzer Zeit, dass mir jetzt, 10 Tage später, während ich das tippe, noch ganz schwindlig und glücklich zu Mute wird. Eine Safari ist vielleicht das Standard-Afrika-Touristen-Ding … aber ich kann es jedem nur empfehlen, denn es ist einfach atemberauend, rührend, schön und … schön.

PS: An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf verweisen, dass die anderen Beiträge jetzt auch mit Fotos versehen sind und einen besonderen Dank an Martin aussprechen, weil er den Großteil dieser gemacht hat. :)

Donnerstag, 6. Oktober 2011

4. Tag: „Strandtag“

Nach wenig Schlaf stehen wir um 10.30 Uhr auf, um mit Freunden von Kim, Svenja und Sue nach Entebbe zum Lake Victoria zu fahren (der zweitgrößte Süßwassersee der Welt!). Auf dem Weg dorthin überrascht uns ein weiterer Superregenfall – wir sind grade in einem Viertel am Hügel und stehen plötzlich in einem Fluss. Ein sehr beeindruckendes Naturschauspiel, das ich euch eigentlich gar nicht in Worten beschreiben kann. (Und mein Haus- und Hoffotograf Martin, der ansonsten alles fotografiert, hat nicht mal Bilder gemacht!) Natürlich ist das Ganze auch nicht ungefährlich - man sieht die zahlreichen Schlaglöcher bei Regen nicht mehr, was Passanten schon zum Stolpern gebracht und unter Wasser gezogen hat. (Generell steht Uganda bei Regen jedoch still: Kein öffentliches Verkehrsmittel fährt und keiner verlässt das Haus – ein beliebter Grund, um sich zu verspäten oder Treffen abzusagen.)

In Entebbe ist allerdings schönes Wetter und wir besuchen zunächst den botanischen Garten … eher eine Art großer Park mit vereinzelten Schildern. Unter anderem gibt es dort zahlreiche Termitenhügel und ich lerne, dass die Erde dieser angeblich gegen Magenbeschwerden hilft und Schwangerschaft unterstützt. (Erfahrungsbericht: wie Sand essen … Nein, ich hab mir keine ganze Hand davon in den Mund gestopft und meinem Magen geht’s gut, schwanger auch nicht.) Bemerkenswertes Nebenereignis: Im Garten wird grade ein Musikvideo gedreht – eine langbeinige Schönheit steht im Grün rum und tut so, als ob sie singen würde. Eines der Highlights: Es gibt dort Meerkatzen (Affen), die nicht nur den Touristen ihr Zeug klauen, sondern auch ihre putzigen Babys mit sich rumtragen. Ihr werdet das im nächsten Post noch öfter lesen, aber hier schon ein erstes Mal: Süüß! :)

Termitenhügel


Im Anschluss fahren wir zu einem Strandlokal, Pizza essen … Es gibt einen sehr idyllischen Blick auf den See und badende, dicke „Locals“, die von einem alten „Muzungu“ mit hochgezogenen Socken wohl hier hin ausgeführt wurden. Ich kann leider nicht baden gehen – Borreliose-Gefahr … Danach wollen wir noch an irgendeinem Strand ausspannen und fahren zuerst zum „Aero-Beach“ (heißt so, weil da aus irgendeinem Grund zwei Flugzeugwracks rumstehen) – da ist allerdings grade eine Riesenteenieparty am Laufen und wir entscheiden ein Stück weiterzugehen, wo wir zwar immer noch von der Musik beschallt werden, es aber leer ist, wir uns hinlegen und See, Fischerboote und vorbeigehende Leute beschauen können. Sehr, sehr entspannend und ein wunderschöner Ort.


Lake Victoria, I come back!

PS: Ich wurde nach Fotos gefragt, das ist ein wenig schwierig, weil unser Internet Volumen-beschränkt ist und ich die superklein bekommen muss … Zudem hab ich totale Laptopprobleme (ich benutze auch grade nicht meinen eigenen). Ich schau aber, dass das etwas wird.

PS 2: Achja, die Safari? Das kommt das nächste Mal!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

3. Tag: „Work-Party-Balance“

Ich schlafe hier eindeutig zu viel, aber irgendwie macht das Land (Wetter? Mentalität?) auch alle anfangs müde, wie mir bestätigt wurde. Es fehlt zur Abwechslung mal nicht der Strom, sondern das Wasser (glücklicherweise bin ich die Einzige, die es noch vor dem Cut unter die Dusche geschafft hat). Ich fange endlich mit meiner Aufgabe hier an und beginne eine lange Liste von Leuten abzutelefonieren. (Für die, die nicht wissen, was ich hier eigentlich tue: Ich arbeite für das „S.T.E.P.“ (Student training for entrepreneurial promotion) Projekt. Im Rahmen dessen wurden ugandische Trainer (größtenteils Uniprofessoren) trainiert, um wiederum ugandische Nicht-Wirtschafts-Studenten bezüglich Entrepreneurship zu trainieren (inklusive Starten eines eigenen kleinen Unternehmens während des Trainings mit anderen in der Gruppe). Ich treffe mich nun mit Leuten, die das Training durchlaufen haben und erhebe im Rahmen eines Interviews, wie es so um ihre Entrepreneur-Fähigkeiten steht.) Die Telefoniererei ist nicht grade die dankbarste Aufgabe, denn 1/3 ist nicht erreichbar und ein weiteres versteht man am Telefon echt schlecht. (Zumal ich mich auch noch an das „ugandan english“ gewöhnen muss.) Aber nachdem ich kaum noch „Hello! How are you, XY? My name is …“ sagen kann, kann ich eine erste Reihe Treffen festmachen.

Am Abend starte ich das erste Mal in das Nachtleben von Kampala. Unsere erste Station ist ein Breakdance-Event, das vom Goetheinstitut organisiert wird – entsprechend sind mehr „muzungus“ da, als irgendwer im Raum befürwortet, aber die Show ist sehr gut! Ich probiere zum ersten Mal „matoke“, einen Brei aus Kochbananen, den es hier zu allem dazu gibt und er ist gar nicht mal so übel (das wurde mir gegenteilig angekündigt). :) Danach geht es weiter ins „Iguana“, einen „mixed club“, d.h. es sind Ugander und Internationals dort. (Mir wurde jedoch versprochen, dass ich auch Clubs kennenlerne, die „more local“ sind – zum eingewöhnen war der aber sicher gut.) Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal auf einer Party so viel getanzt habe – im Gegensatz zum Durchschnitt in Deutschland wird hier nämlich wirklich miteinander getanzt – nicht nur stumpfes „auf der Stelle treten“ oder „Körper aneinander reiben“. (Obwohl das 2. Element durchaus gegeben ist – wie ich gelernt habe gibt es in Luganda ein Wort, das sowohl „dance“, als auch „fuck“ bedeutet. ;)) Musik-mäßig kommt ein Mix aus aktueller Standard-Pop-Partymusik und ugandischer/afrikanischer Musik (reggae-lastig, einiges wirklich gut). Alles in allem: Ausgehen in Kampala – definitely worth it! Ich freue mich schon auf das nächste Mal in gespannter Erwartung des Kulturschocks, der mir eigentlich in diesem Kontext angekündigt wurde, aber irgendwie noch nicht kam (blonde „muzungu“ – ugandan club, you know?). ;)

PS: Soon to come: Safari im Murchison Fall National Park … stay tuned. :)